Geduld lernen, Geduld trainieren – Tipps und Anregungen

Geduld lernen. Geduld trainieren. Wie das funktioniert und warum es sich für dich und deine Kinder lohnt, dazu habe ich dir hier ein paar Gedankenschnippsel aufgeschrieben.

Schön, dass du hier bist und schön, dass du dir die Zeit nimmst, diese Zeilen über das leidige Thema der Geduld zu lesen.

Beginnen wir einleitend mit der Grundlage dieses wertvollen Tools, dass du dir in deine mentale Werkzeugkiste legen solltest.

Geduld ist eine Tugend heißt es.

Tugend im Sinne von Eigenschaft, von Qualität und von Stärke.

Heute erkläre ich dir, warum da etwas Wahres dran ist und warum die Geduld viele Vorteile für dich hat.

Ich hoffe, du verstehst, nachdem du diesen Artikel gelesen hast,

dass ungeduldig sein dich nicht weiter bringt,

dass ungeduldig sein dir nur Stress bereitet, der dich schneller altern lässt,

dass ungeduldig sein deinen Erfolg erschwert,

dass ungeduldig sein mit fehlendem Mut zusammen hängen kann,

dass ungeduldig sein dir schlechte Laune bereiten kann,

dass ungeduldig sein deinen Körper krank machen kann,

dass ungeduldig sein ...

und ich zeige dir, was du gegen deine Ungeduld prophylaktisch tun kannst.

Um Ungeduld erklären zu können, ist es besser erst einmal zu klären, was Geduld überhaupt ist.

                                       Geduld ist die Fähigkeit ohne Leidensdruck abwarten zu können.

                                                Geduldig sein ist daher ein wichtiges und nützliches Tool.

Der Teufelskreis der Ungeduld:

Ungeduld beginnt in deinem Kopf. Sie beginnt mit deinen Gedanken.

Oft beginnt sie mit dem Gedanken: 'Ich will das aber jetzt ... SOFORT!'

Bei mir ist das oft, dass ich denke: Ich muss das aber jetzt sofort machen, können, tun.

Solche SOFORT Gedanken lösen dann weitere Gedanken aus. Das ist genauso, als wenn du einen Stein ins Wasser schmeißt und das Wasser beginnt, sich in immer größer werdenden ringförmigen Wellen zu bewegen und auszubreiten.

Auf jeden Fall lösen die Gedanken nun Gefühle aus, z.B. spürst du Traurigkeit in dir, Hoffnungslosigkeit, Aggression, Wut auf dich selbst, .... wenn es nicht so schnell und reibungslos geht wie du es dir erhofft hast und du längere Zeit dafür benötigst als du eingeplant hattest.

Beides zusammen, also deine Gedanken und deine Gefühle aktivieren nun die passenden Glaubenssätze, die du in dir verankert hast: z.B. "Ich bin faul, ich bin nicht gut genug, ich krieg auch nie etwas hin, ..."

Folge: Du setzt dich durch deine Glaubenssätze unter Druck und das löst Stress in deinem Kopf aus.

Folge: Der Stress wirkt sich auf deinen Körper aus. Von akutem Stress erholt sich der Körper leichter. Aber von chronischem Stress nicht, denn der verur-sacht chronische Erkrankungssymptomatiken.

Resultat:

Du fühlst dich schlecht, mies, schlapp, wie ein Versager. Und all das nur, weil du ungeduldig bist.

Ebenso ergeht es deinen Kindern. Auch sie müssen Geduld lernen, um sich nicht schlecht, mies, schlapp und wie Versager zu fühlen.

Die körperlichen Auswirkungen der Ungeduld: 

Hast du nicht gelernt geduldig zu sein, bezahlst du die immer noch übermächtige Ungeduld teuer.

Du fühlst dich innerlich unruhig und angespannt wie ein Flitzebogen.

Du bist gereizt und nervös und bekommst Konzentrationsschwierigkeiten.

Du verlierst die Nerven und wirst manchmal sogar aggressiv.

Mein Enkelsohn, ein Feuerkind, sagt seit seiner Kindergartenzeit in solchen Situationen zu uns Erwachsenen : "Seht ihr nicht wie aggressiv ich gerade bin? Lasst mich bitte einfach für eine Zeit in Ruhe! Mir fehlt im Moment gerade die Geduld!"

Ich finde diese Vorab-Warnungen schon seit damals toll, zeigen sie mir doch seine naturgegebene Fähigkeit, sich selbst reflektieren zu können. Und uns geben sie die Chance des Rückzugs, um nicht eine vor den Bug zu bekommen.

Übrigens so nebenbei: Aggression entwickelt sich durch gestaute Energie. Deshalb ist es allen Kindern und Erwachsenen ein inneres Bedürfnis, gestaute Energie durch geistige oder körperliche Bewegung freizusetzen.

Gestaute Energie lässt sich auch gut über Wasser ableiten. Deshalb genieße besonders bei Ungeduld ein erholsames und entspannendes Bad. Oder gehe einmal im Regen spazieren, wie wäre es damit?

Kinder spielen gerne im Regen, Kinder gehen auch gerne schwimmen. Selbst mitten im Winter stapfen sie gerne im eiskalten Seewasser umher.

Kinder wissen noch um die natürlichen Kräfte des Umgangs mit der Energie. Nur wir Erwachsenen haben das durch unsere Konditionierungen verlernt.

Trainingsmöglichkeiten um GEDULD zu lernen:

Wünschst du dir und deinen Kindern, dass ihr in eurem Leben leichter zu Glück und Erfolg gelangt, magst du euch letztendlich eine gute Fähigkeit in eure mentale Werkzeugkiste fürs Leben mit auf den Weg geben? Wenn ja, dann findest du nun Anregungen dazu. 

Bringe stets Situationen in euren Alltag, in denen ihr lernt, eure Bedürfnisse eine Zeit lang geduldig zurückzustecken. Mütter können das in der Regel bereits. Denn du als Mama hast ein riesig großes Training dafür mit auf deinen Weg bekommen: Viele viele Umstände rund um dein Kind bzw. deine Kinder machen es erforderlich, dass du deine persönlichen Bedürfnisse zurück stecken musst.

Trainingsmöglichkeiten, die du deinen Kindern ermöglichen kannst sind beispielsweise folgende:

  • Erfülle ihre Wünsche nicht sofort. Lasse die Kids ein wenig zappeln. Sage deinem Kind nicht sofort zu, dass du seinen Wunsch erfüllen wirst. Gib ihm eine Zeitangabe wann du es kannst, wenn du es kannst.

Das klappt schon im Kindergartenalter. Mein kleiner Enkelsohn sagt stetig beim Einkaufen zu Sabrina: "Das möchte ich zu Weihnachten haben, Mama. Und das möchte ich zum Geburtstag haben Mama." So baut er sich Geduld und Vorfreude auf. Vielleicht kennst du dieses Verhalten ja auch bereits von deinen Kindern. 

Bereits Kindergartenkinder lernen so, nach und nach geduldiger und während dieser Wartezeit auch kreativ zu werden. Wenn sie wirklich etwas wollen, dann erdenken sie sich Lösungsansätze um sich bis zum angegebenen Termin selbst zu helfen, weil Mama ja im Moment noch nicht agiert oder agieren kann.

Kinder versteifen sich, wenn es ihnen wichtig ist, nicht darauf nur warten zu müssen bis Mama macht. Wenn wir Erwachsenen den Kids erlauben selbst zum Macher zu werden, dann nutzen sie kreativ und geduldig die Wartezeit.

  • Eine weitere Möglichkeit Geduld zu trainieren ergibt sich bei gemeinsamen Mahlzeiten. Zum Beispiel könnte hier die Regel lauten: Alle beginnen gemeinsam zu essen. Kinder (und auch die Erwachsenen als deren Vorbilder) warten, bis der Tisch gedeckt ist und das Essen vollständig auf dem Tisch steht und alle gemeinsam am Tisch sitzen. Erst dann wird gemeinsam mit dem Essen begonnen.
  • In früheren Zeiten gab es das Ritual der leckeren süßen Nachspeise nach dem Mittagessen. Ein Nachtisch, auf den sich die Kinder freuten aber auf die sie bis nach dem Essen warten mussten. Weil es damals nicht täglich und zu jeder Zeit Süßigkeiten gab, war das Warten für einige Kinder eine richtige Herausforderung.
  • Auch wenn Kinder in der Warteschlange des Kassenbereichs im Kaufhaus geduldig warten, ist das Training und lohnt sich für sie, denn in der Regel dürfen sie sich vorher eine Süßigkeit aussuchen, dass sie nach dem Bezahlen zur Belohnung bekommen.
  • Sarah Schmidt, Ärztin und YouTuberin sagte in der Fernsehsendung "richtig (v)erzogen" vom 05.12.17 bei VOX, dass ihre Kinder die Woche durch für ihr Taschengeld alles an Süßigkeiten kaufen dürfen, was sie mögen. Gegessen wird es allerdings nur am Samstag. Aus gesundheitlichen Gründen ist das eine super Begründung, denn so wird die Bauchspeicheldrüse und der Blutzuckerspiegel nur einmal die Woche überstrapaziert und es kommt somit nicht ständig zu erhöhten Blutzuckerspitzen. Von den Kids fordert es sicherlich schon ein fortgeschrittenes Geduldstraining. Dass diese gesunde Maßnahme zu einer ganz normalen Alltagsroutine bei den Kindern geworden ist, sah man anhand der Reaktion ihres Sohnes. Für ihn war es etwas ganz Normales, seine in der Woche gekauften Süssigkeiten erst am kommenden Samstag zu essen.
  • Andere Beispiele sind Geburtstage, Nikolaus oder das Weihnachtsfest mit seinen Geschenken. Wenn Kinder an diesen Tagen und an Heiligabend oder am 1. Weihnachtstag bis nach dem gemeinsamen Essen auf ihre Geschenke warten müssen, sind auch das Trainingsmöglichkeiten, die sich für die Kinder lohnen.

Wir Kinder mussten früher lange und immer ohne viel Ablenkung warten. Ohne den Fernseher zum Beispiel. Handys, PC usw. gab es damals eh noch nicht. Das war wirklich Training fürs geduldig werden! Irgendwann klingelte dann zu Heiligabend das Glöckchen und erst dann durften wir unser Kinderzimmer verlassen, um unter dem Weihnachtsbaum die Geschenke vom Christkind zu sehen. Das hieß aber nicht, dass wir diese sofort bekamen. Nein! Wir mussten vorher noch ein Gedicht aufsagen, Flöte spielen oder sonst irgend etwas vorführen und gemeinsam essen. So lernten wir bei den Vorführungen ohne lähmende Angst vor der Öffentlichkeit zu stehen, was uns wiederum in der Schule half, wenn wir Referate vortragen oder Gedichte aufsagen mussten.

Vielleicht ist bei diesen Anregungen auch so einiges für dich selbst noch dabei. Du könntest kreativ werden und entsprechendes für dich als Training abändern oder übernehmen. Z. B. Süßkram nur samstags essen? (lach)

Wir Menschen denken bei Ungeduld oft, dass uns im Alltag die Zeit davon läuft. Denn Geduld und Zeit sind miteinander gekoppelt.

Ein weiterer Grund sind sicherlich auch diese konditionierten Glaubenssätze, die in uns allen wirken, denn wir Erwachsene glauben, zumindest in unserer Gesellschaft noch immer, dass Geduld etwas mit Langsamkeit, mit Schwäche, mit Leistungsdefizit, mit Faulheit zu tun hat.

Belohnung und Bestrafung

Der Mensch lernt am schnellsten durch Belohnung und Bestrafung heißt es.

Schöner ist es natürlich für Groß und Klein durch Belohnungen zu lernen. Diese Belohnungen kann sich jeder selbst vorab in Aussicht stellen. Aber Belohnungen zeigen sich auch automatisch.

Auch eine Bestrafung erfolgt von ganz automatisch – dafür braucht es keine angedrohte Bestrafung durch andere Menschen. Die Bestrafung ist das schmerzende Gefühl des sich Unwohl-Fühlens, des Leidens, dass sich bei der Ungeduld zeigt.

Welche automatischen Belohnungen erwarten dich und auch deine Kinder für den Preis der Geduld?

  • Freude durch Erleichterung. Durch Geduld findet ihr Ruhe und Erleichterung. Ihr könnt euch durch die Ent-Spannung besser auf die Umsetzung der Lösungsfindung konzentrieren. Z. B. könnt ihr während einer Wartezeit etwas Anderes erledigen.
  • Erhöhtes Selbstwertgefühl. Durch Geduld hadert ihr nicht in Selbstzweifeln während der Situationen, die euch Geduld abverlangen. Geduld erhöht euer  Durchhaltepotenzial, wenn ihr ein Ziel verfolgt.
  • Gesundheit. Geduld bringt Ruhe. Ihr geht durch sie weniger stressig durch den Alltag. Weniger Stress fördert eure Gesundheit.
  • Harmonische Beziehungen. Durch Geduld geratet ihr seltener in Konfliktsituationen mit euren Mitmenschen. In Frieden zu leben bringt mehr Freude ins Leben.
Wie erlernen Kinder und Erwachsene Geduld?  Weitere Lösungsansätze: Wir brauchen Training und unbedingt ein dahinter stehendes WARUM es sich lohnt geduldig zu sein. Ich bin geduldig weil, ...
  • ... ich eine Belohnung bekomme.
  • ... ich weiß, dass eine Reifezeit gebraucht wird.
  • ... wenn ich bei großen Projekten wie der Straßenkehrer im Film MOMO weiß, dass ich die Ruhe bewahre, wenn ich nur direkt vor mich sehe und       Besenstrich für Besenstrich die Straße fege – solange bis ich mein Ziel erreicht habe.
  • ... wenn ich mich selbst nicht unter Druck setze und das "ich muss noch ..." in ein "ich möchte gerne noch ..." ändere.
  • ... wenn ich die Situation als unabdingbar akzeptiere, schone ich mein Nervenkostüm und bleibe gesünder.
  • ... wenn ich geduldig bin, werde ich nicht so schnell aggressiv und sorge für mehr Harmonie in Beziehungen zu anderen.
  • ... wenn ich geduldig abwarte und in der Zwischenzeit etwas anderes mache, das mir Spaß macht, werde ich wieder fröhlicher.
  • ... wenn ich zeitlich nicht mehr abwarte bis es brennt, sondern Unerledigtes sofort erledige, dann brauch ich nicht mehr länger drüber nachzudenken. Die stetigen Gedanken: Ich muss noch dieses, ich muss noch jenes, ... ich darf das nicht vergessen, usw. Diese Gedanken blockieren dann nicht mehr meinen Kopf, lösen keine Gedankenschleifen mehr aus und so vermeide ich unnützen Stress und Ärger.
  • ... wenn ich los lasse und mein Anliegen in "höhere Hände" gebe, denn wenn ich weiß, dass ich selbst im Moment gar nichts weiter tun kann um eine Lösung herbeizuführen, kann ich mich wieder uneingeschränkt den Dingen zuwenden, für die ich selbst Änderungen herbeiführen kann.

Nutze Mantras. Nutze gute Weisheiten,

das mache ich auch. Das hilft mir.

Und ich gebe diese Weisheiten an meine Kinder und Enkelkinder weiter, damit sie sie als positive Glaubenssätze in ihr Gehirn ankern.

Mantras, die mir bei Ungeduld helfen sind Sprichworte wie z. B. :

Ruhe bewahren, ...

  • ... denn ein Grashalm wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
  • ... denn Übung macht den Meister.
  • ... denn gut Ding will Weile haben und
  • ... arbeite Besenstrich für Besenstrich. Also guck vor deine Füße und nicht in die Ferne.

Ruhe bewahren, ...

  • ... denn Muskeln werden in der Ruhe gebildet, nicht während der Tat.
  • ... denn in der Ruhe liegt die Kraft.
  • ... müssen musst du jetzt gar nichts.
  • ... Du kannst alles und darfst vieles, wenn du möchtest.
  • ... denn Alles hat SEINE Zeit.

Fazit:

Geduld ist die Fähigkeit ohne Leidensdruck abwarten zu können.

Geduld ist die Fähigkeit seine aktuellen Bedürfnisse zeitlich zurück stellen zu können.

Geduldig sein macht erfolgreicher.

Erfolg, wie immer man diesen Begriff auch definiert, erhöht das Selbstwertgefühl, macht glücklicher und erweitert das Selbstbewusstsein.

Ich hoffe, der Artikel hat dir etwas Neues bewusst machen können.

Ich danke dir, dass du Interesse gezeigt und ihn dir durchgelesen hast. 

Hast du noch Anmerkungen oder Tipps zu diesem Thema, dann schreib sie gerne in die Kommentare.

Für  heute sage ich dann mal Tschüss und lass uns in Freundschaft weiterhin gemeinsam ein Stück auf dem Weg des Lebens gehen: 

go      go on!

Birgit 

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