8 Anregungen, warum die digitale Welt für unsere Jugend so wichtig ist und wie wir damit umgehen können

Die digitale Welt. Ein #-Hashtag der heutigen modernen Zeit. Mehr noch. Eines der wichtigsten Hashtag-Worte überhaupt. 

Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht wie sehr sich die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen in den letzten beiden Jahrzehnten verändert hat?

Bekommst du auch von deinen Eltern ähnliches gesagt, wie z. B.: "Bei uns hat es das damals nicht gegeben, wir waren auch ohne diese Dinger glücklich. ... Eure Kinder sitzen viel zu lang vor dem PC, hantieren ständig mit ihrem Handy rum. ... Wir damals waren immer draußen in der Natur...." !!

Auch ich vergleiche öfter, sage es aber selten: "Wir damals ...!" 

Auch Sabrina sagt ab und an: "Wir damals ...!"

Denn obwohl Sabrina gerade mal erst Mitte dreißig Jahre alt ist, hat es während ihrer Kinderzeit noch keine digitalen Geräte gegeben. Und während meiner Kinderzeit ja sowieso erst recht noch nicht. Zu meiner Kinderzeit steckte gerade erst einmal das Schwarz-Weiß-Fernsehen mit zwei Programmen in den Kinderschuhen. Krass! Dabei bin ich selbst ja auch noch nicht soooo alt.

Vor erst zwanzig Jahren begann dieses neue digitale Zeitalter, das sich seither von Jahr zu Jahr wie ein Luftballon aufpustet. Immer schneller und schneller bläht es sich auf und beschert uns viele neue Dinge, immer und immer wieder. Immer schneller und schneller, immer krasser. Und doch sollen wir erst am Anfang stehen, so sagen die Fachleute. Was alles noch kommen wird, das können wir User heute noch gar nicht erahnen.  Genauso wenig wie wir Menschen zu Beginn des Fernsehzeitalters den Computer, das Smartphone, die Tabletts und Co. noch nicht erahnen konnten.

Digitale Generation 

Seit etwas mehr als zwanzig Jahren, seit 1995 sagt man, entwickele sich das digitale Zeitalter in den privaten Haushalten. Ich kann diesen Zeitpunkt bestätigen. Das umfasst seit dem die Zeitspanne einer ganzen Generation, der ersten digitalen Generation. Heute ist diese Generation in einem Alter, aus denen langsam  bereits die zweite  heran wächst.

Kinder und Jugendliche hantieren heute nicht mehr, sie daddeln. Stundenlang, täglich ohne Unterlass. Sie treffen sich nicht mehr draußen in der Natur mit Freunden, sondern sitzen zumindest während der Pubertät immer öfter alleine vor ihren Rechnern und interagieren online. Das scheint Spaß zu machen, denn ich höre unsere Pubertis oft genug laut lachen, grölen aber auch fluchen, während sie mit ihren Freunden ihre online-Schlachten schlagen,  ausgedehnte verbale Diskussionen eingeschlossen. Sie arbeiten im Team, agieren strategisch, fighten was das Zeug hält. Sie verlieren, stehen wieder auf, fighten weiter ... bis sie ihre Level erreicht haben, als Sieger hervor gehen und sich upleveln. 

Tatsache ist, dass die jüngste Generation in diesen digitalen Wandel nun direkt hineingeboren wird und in ihr aufwächst. Haben Eltern es vor ein paar Jahren noch ermöglichen können, die Kids bis in die Grundschulzeit von digitalen Geräten fernhalten zu können, so ist das heute kaum noch möglich, besonders wenn es ältere Geschwister in der Familie gibt. Den älteren Generationen ist jedoch diese Welt des Digitalen teilweise noch immer fremd. Unsere Kids dagegen lernen den Umgang mit den neuen Techniken nach und nach in der Schule, bringen sich vieles als Freilerner untereinander selber bei und die ganz Kleinen  - ich staune und staune -, denen braucht man im Alter ab drei Jahren schon nicht mehr erklären wie es geht. Sie lernen nur durchs Abschauen von ihren älteren Geschwistern oder Eltern. Das zu beobachten hinterlässt einen wow-Effekt und man fragt sich bewusst, zu welch großen Leistungen so ein menschliches Gehirn wohl noch alles fähig ist. Ich zumindest war baff und bin es immer noch, wenn ich beobachte wie unser Kleinster und mit welcher Geschwindigkeit er mit dem Tablet und dem Internet umgeht. 

Parallelwelten:  Noch bauen unsere Kleinen mit Lego, die Großen bauen ihre Städte bereits digital und zeigen den Kleinen danach wie das funktioniert.

Wer ist hier Lehrer und wer Schüler? Die neue Generation tauscht die Rollen.

Vor ein paar Tagen lachte mich Sabrina mit dem Kommentar an: "Ich verstehe kein Wort", als ich ihr irgend etwas von Webseiten-Gestaltung erzählte. Ich grinste, denn ich bekam in diesem Moment meine Vermutung bestätigt, dass es wohl in vielen Familien diesbezüglich Kommunikationsschwierigkeiten gibt. Eben weil die Eltern nur noch Bahnhof verstehen, wenn ihnen ihre Kinder etwas aus ihrer digitalen Welt erzählen.  Nun ist es so, dass Sabrina ihre Kids fragt, wenn sie etwas nicht versteht. Es ist Tatsache, dass in diesem Bereich neben anderen, sich der Spieß umgedreht hat. Hier sind die Kinder die Lehrer und die Eltern die Schüler. Unsere Aufgabe ist es folglich, wollen wir die Jugend weiterhin unterstützend  in die Zukunft begleiten, sich neben anderem auch in die digitalen Denk- und Verhaltensstrukturen unserer Kinder und Jugendlichen hinein denken zu können. Das geht nur, indem Eltern und Großeltern bereit sind, auch von den Kindern zu lernen. Rollentausch. Ganz einfach. Und von großer Bedeutung, wenn wir auch weiterhin unsere Kinder verantwortungsbewusst beraten und in ihr eigenes Erwachsen werden begleiten wollen. 

Wie können wir unseren Kids in Bezug auf ihre digitale Welt begegnen?

Zum Beispiel, in dem wir uns folgende Überlegungen durch unser Hirn rattern lassen:

  • Kommunikation
  • Heldentum
  • Be-ruf-ung

Kommunikation:

Wir könnten uns endlich mal wieder mehr Zeit für intensive liebevolle real-talk-Gespräche mit den Kids nehmen. Gespräche in der Form, dass wir die Kinder und Jugendlichen erst einmal nur reden lassen. Wir schweigen. Wir hören ihnen einfach nur zu, stellen ihnen gegebenenfalls Fragen, damit wir sicher stellen, dass wir sie verstanden haben. Wir tauchen ein in ihre Welt rund um Schule, um Freunde, um ihr digitales Erleben. Schon das alleine wird für uns eine kleine Herausforderung sein. Ich weiß wovon ich spreche. Denn erstens sind wir es gar nicht mehr gewohnt nur zuzuhören und selbst nicht ständig drauf los zu plappern, sondern auch die Wortwahl von heute ist nicht mehr die von damals, nicht wahr "Alter"? Wobei ich zugeben muss, dass ich mich sogar daran gewöhnen musste, dass die jungen Hüpfer auch zu mir als weibliche Person "Alter" sagen. Ich zumindest muss mir öfter die Lippen zusammen kneifen, damit mir nicht rausrutscht: "Das heißt nicht Alter sondern Alte." 

Prinz Philip, Duke of Edinburgh, also der Gatte der Königin Elisabeth II von England, hat vor vielen Jahren bereits gesagt, er wolle einen Fremdsprachen-Kurs besuchen, um seine Enkelkinder William und Harry besser verstehen zu können. Das ist auch heute noch so. Wir sollten uns mit unseren Kindern austauschen, damit wir von ihnen lernen können, damit wir auf gleicher Augenhöhe mitreden können, wenn wir in dieser neuen Welt zurecht kommen wollen. Und nur so können wir meiner Meinung nach die jungen Menschen besser in ihrem Handeln und Wirken und auch in ihrem Nicht-Handeln  verstehen, um bei uns das Vorurteil abzubauen, die neuen Generationen seien einfach nur "faul". Denn das ist nicht wahr, es stimmt nicht! Die neuen Generationen, man nennt sie die Generation Y + die Generation Z wünschen sich andere Prioritäten für ihr Leben als ihre Eltern. Das ist alles und das ist gut so, denn die Gen Y + die Gen Z und alle Generationen, die noch nachkommen, müssen mit ganz anderen Begebenheiten klar kommen, als es deren Eltern und Großeltern noch mussten.

Heldentum:

Um ein besseres Verständnis für das Verhalten unserer Kinder zu bekommen, sollten wir auch verstehen, warum viele vor allen Dingen männliche Jugendliche so gerne "Ballerspiele" spielen. Während die Mädels in die Welt der Mode, Beauty und des Tanzens eintauchen, reisen die Buben in  imaginäre Welten, die mit ihrer realen Welt wenig bzw. gar nichts zu tun hat. In diesen imaginären Welten dürfen sie und können sie noch zu Helden werden. Sie wetteifern miteinander. Sie siegen und sie verlieren dort.

Sie lernen dort psychologische Skills, die sie später in ihrem echten, ihrem realen Leben einsetzen können. Sie lernen zum Beispiel, dass es nicht schlimm ist, wenn sie im Spiel verloren und versagt haben. Sie lernen dort, dass sie gar nicht versagen können, denn durch jedes Versagen machen sie die  Erfahrungen, wie sie es bei einem neuen Versuch nicht machen sollten. Sie spielen ihre Spiele weiter, stehen wieder auf und versuchen es erneut, versuchen es besser zu machen als vorher. Sie leveln sich up. Genauso wie wir es früher als Kleinkind alle machten. Bis wir nach hundertfachen gescheiterten Versuchen endlich auf unseren Beinchen sicher laufen konnten. Das war zu einer Zeit bevor die Bewertungen im Kindergarten und in der Schule und sogar im Elternhaus begonnen hatten und die dazu führten, Ängste vor dem Versagen zu entwickeln.

Jeder von uns kennt diese Glaubenssätze: "Du bist nicht gut genug." "Du kannst das eh nicht." "Schon wieder ne 5 in Mathe!" "Schon wieder versagt."

In den Computerspielen können die Kids nicht versagen. Hier können sie sich durch stetige neue Versuche zum Helden entwickeln.

Wir alten Hasen entwickelten uns früher auch zu Helden. Ein Held werden zu können, sich ausprobieren zu dürfen, das gehört zum Erwachsen werden dazu. Unbedingt. Wir werden dadurch selbstbewusst, lernen unsere Grenzen kennen und sie zu überschreiten. Wir lernen mutig zu sein und unser Leben zu meistern. Früher kletterten wir die Bäume hoch, erklommen unwegsames Gelände, streiften durch die Wälder, ritten über die Felder, ... . Nach der Schule wurden schnell die Hausaufgaben gemacht und dann ging es los. Auf ins Abenteuer bis in die Abendstunden. 

Heute jedoch können die Kinder das nicht mehr. Wo finden sich in all den großen Städten noch Felder und Wälder, wo noch hohe Bäume, die erklettert werden können? Selbst die Kinder auf dem Land, die auf den Bauernhöfen heranwachsen, toben sich immer seltener draußen aus. Obwohl sie die Möglichkeit dazu hätten. 

Es ist der Lauf der Zeit. Das Verhalten unserer Kids hat, so ist wie es ist, seine Richtigkeit. Das sollten wir uns vor Augen führen. Auch ich habe das erst vor einiger Zeit erkannt. Seitdem ich immer öfter den Hashtag Industrielle Revolution wahrnehme. #Industrielle Revolution 4.0, googlet mal nach. Sehr, sehr, sehr wichtig, sich damit zu beschäftigen, besonders beruflich und besonders wichtig für diejenigen unter uns, die Kids in die Zukunft begleiten.

Deshalb habe ich die Be-ruf-ung als dritten Punkt für diesen Beitrag ausgesucht.

Be-ruf-ung: 

Die Wirtschaftsexperten haben verkündet: In ca. 10 bis 15 Jahren wird es ca. 60 % aller Berufe, die es heute noch gibt, nicht mehr geben. Das hat die Industrie offiziell bekannt gegeben. Alle Wirtschaftsexperten wissen, dass es zu riesig großen Veränderungen kommen wird, keiner weiß jedoch, wie sich die Veränderungen im Detail auf die Wirtschaft und auch auf das Privatleben, insbesondere das Berufsleben der Menschen auswirken wird.

Diese sich anbahnende Veränderung, die als Industrielle Revolution 4.0 bezeichnet wird, bedeutet, dass wir unseren Kindern nicht mehr simpel und einfach raten sollten, eine Berufsausbildung zum Beispiel zur Verkäuferin, zur Bürokraft oder zum Kraftfahrzeug Mechatroniker usw. zu machen. Ich wiederhole: 60 % aller Berufe aller heutigen Berufsbezeichnungen wird es in naher Zukunft nicht mehr geben, sagen die Fachleute. Darunter sind auch Berufe, für die man jahrelang studieren muss. Dafür wird es neue Berufe mit neuen Bezeichnungen geben. Nur welche genau? Das ist im Moment noch die große Frage. Es wird viele Berufe geben, in denen der Mensch einen Draht zum Digitalen braucht. Das ist genau der Bereich, wofür bereits heute das Herz vieler Jugendlicher schlägt. Schon jetzt lernen sie dort viele Skills, die sie in naher Zukunft vielleicht beruflich dringend können müssen. Psychologische Skills. Strategie. Organisation. Schnellstes Umsetzen von Gedanken in Handlungen. Teamfähigkeit. Und viele mehr.

Resümee:

Was können wir tun, wie sollten wir uns verhalten ?

Meine Vorschläge kompakt zusammen gefasst:

  1. Stetige ausreichende Kommunikation mit den Kids, auf gleicher Augenhöhe um gemeinsam in die neue Welt navigieren zu können .
  2. Den Kids ihr Heldentum ermöglichen. Sie wertschätzen. Sie auch im Alltag herausfordern. Gemeinsam besprochene Challenges im realen Alltagsleben durchführen. 
  3. Selbstverantwortung lehren, Kreativität fördern, Teamwork innerhalb der Familie stärken. Den Kids Verantwortungsbereiche einräumen, in denen sie eigenverantwortlich entscheiden dürfen, wann und wie sie ihren Aufgabenbereich bearbeiten. Das Ergebnis zählt - nicht der Weg dahin. Scheitern erlaubt
  4. Den beruflichen Markt in seinen Veränderungen beobachten und begreifen lernen. Damit wir als Eltern, Großeltern, ... besser beraten und die Kids selbst ihre Be-ruf-ung finden können. Dafür kreative Visionboards erstellen.  
  5. Gegenseitiger Aufbau von Vertrauen. Wir als Vorbilder zu den Kids und die Kids zu uns, damit die Kids von alleine kommen und um Hilfe bitten, falls sie Probleme im Netz bekommen .
  6. Den Kids bewusst machen, dass das Internet nichts vergisst, besonders keine geposteten Bilder oder Selfies leicht bekleideter oder angetrunkener Menschen. Jeder Mensch hat die Qual der Wahl sich aussuchen zu können, wie er sich in der Öffentlichkeit zeigen will, was Lehrer oder (zukünftige) Chefs sehen und andere von ihnen sehen sollen .
  7. Unvoreingenommen beobachten, in welchen Bereichen die Kids das Internet nutzen um Cybermobbing, Cyberübergriffe durch sexueller Belästigung unserer Kinder und anderes zu verhindern. Auch das Internet hat zwei Seiten, eine wundervoll tolle und eine, die uns das Gegenteil präsentiert .
  8. Wenn sich Gefahr anbahnt, dass die Nutzung des Internets negativ aus dem Ruder läuft, erklärend und bewusstmachend eingreifen und gemeinsam mit den Kids eine Lösung finden

Das war es in aller Kürze, denn darüber lohnt es sich ein Buch zu schreiben. 

Ich hoffe,  dass dieser Artikel wie ein kleines Glöckchen auf dich wirkt, das dir sagt, dass es an der Zeit ist, sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen.

Dieser Artikel hier wird sicherlich nicht mein einziger Artikel über dieses große, unsere Welt gravierend verändernde, Thema sein. 

 

Schau gerne wieder mal auf aicara.de vorbei oder lies gerade jetzt bei einer Tasse Tee oder Kaffee noch weitere Artikel. Ich freue mich drüber. 

Lass uns in Freundschaft ein Stück gemeinsam auf dem Weg des Lebens gehen: 

go      go on!

Birgit und Sabrina

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